22.08.2019

Ein Lichtblick in schweren Zeiten

FamiKi-Stiftung Lohmar hilft mit 10.759,56 Euro notleidenden Familien mit Kindern

Wer ihnen begegnet, im Supermarkt, auf dem Spielplatz oder beim Spaziergang im Park der Villa Friedlinde, glaubt, glückliche Familien vor sich zu haben. Und ja, sie sind glücklich, und niemand ahnt, dass sie vom Schicksal geschlagen sind: Die Eheleute Michaela und Volker S. mit ihren Jungs Ben (5) und Philipp (10) sowie die alleinerziehende Heike H. mit ihren Söhnen Ben (10) und Björn (20). Mit einem kleinen Gehalt oder mit Hilfe zum Lebensunterhalt müssen sie sich über Wasser halten und zugleich eine schwere Krankheit oder Behinderungen meistern. Ihnen einen Lichtblick in schweren Zeiten zu geben, ist das Ziel der unselbständigen FamiKi-Stiftung in der Verwaltung der BürgerStiftungLohmar. 
Mit jeweils 5.379, 78 Euro unterstützt die Stiftung in diesem Jahr die beiden Familien (siehe Info-Kasten „FamiKi-Stiftung Lohmar“).

Wie ein Blitz aus heiterem Himmel traf die Familie S. vor zwei Jahren die Diagnose des Arztes: Was die Eltern für eine Magen-/Darminfektion bei dem kleinen Ben gehalten hatten, entpuppte sich als Leukämie. „Über Nacht war auf einmal alles anders“, erinnert sich die Mutter. Ihre Arbeitsstelle musste sie aufgeben, um sich intensiv um Ben kümmern zu können und ihn von einem Arzt zum nächsten zu begleiten. Gerade hatte sie sich das Geld für einen Führerschein zusammengespart, schon ging es drauf für die Fahrtkosten nach Köln, Bonn und zur Kinderklinik in Sankt Augustin. Sie musste Ben bei mehreren Chemotherapien zur Seite stehen, ihn trösten und immer wieder Mut machen. Sie musste mit ansehen, wie der kleine Junge seine Haare verlor und sein Immunsystem kollabierte. Die Infektionsgefahr war bei Ben so groß, dass er ein ganzes Jahr völlig isoliert leben musste, nicht in den Kindergarten durfte, nicht auf die Straße und nicht auf den Spielplatz. Und nach den Chemos war er so schwach, dass er nicht mehr in sein Etagenbett klettern konnte.

Als die Mutter das erzählt, muss der zehnjährige Philipp seine Tränen unterdrücken und versucht der kleine Ben, der doch eigentlich der Hauptleidtragende ist, seinen großen Bruder zu trösten. Auch Gabriele Willscheid ist gerührt und mehr noch: Sie ist beeindruckt. „Wie diese Familie, die ohnehin nicht auf Rosen gebettet ist, ihr Schicksal meistert, mit Lebensmut und Liebe, das verdient unser aller Respekt“, sagt die Geschäftsführerin der BürgerStiftungLohmar.

Nicht mit leeren Händen hatte sie die Familie in ihrer bescheidenen, aber liebevoll eingerichteten Wohnung besucht. Vielmehr hatte sie den Förderbescheid dabei, dessen beachtliche Summe die Mutter kaum glauben wollte.

„Wir können keine Wunder vollbringen, aber vielleicht können wir mit dem Geld Ihren Alltag ein wenig leichter machen“, sagt Gabriele Willscheid, während gerade der Familienvater von der Arbeit nach Hause kommt und ihm die Jungs freudig entgegenlaufen. Das ist nicht jeden Abend so. Volker S. arbeitet bei einer Möbelspedition und ist, etwa wenn ein Umzug nach Hamburg oder München ansteht, bisweilen mehrere Tage unterwegs. Heute ist er zu Hause und staunt ebenfalls nicht schlecht, als er von der Fördersumme erfährt. „Wem müssen wir dafür danken?“, will er wissen.

In erster Linie, klärt Gabriele Willscheid auf, sei die finanzielle Unterstützung einem Lohmarer Ehepaar zu verdanken. Die Eheleute haben in ihrem Testament verfügt, dass ihr gesamtes Vermögen, das sich auf über eine Million Euro summiert, einer Stiftung dienen soll, die die finanzielle Situation bedürftiger Lohmarer Familien mit Kindern „spürbar“ verbessern soll. Deshalb, so die Geschäftsführerin, mache es keinen Sinn, die Erträge aus dem Kapital, das wie bei jeder Stiftung unangetastet bleiben müsse, nach dem Gießkannenprinzip auszuschütten. So würden jedes Jahr nur ein paar gezielt ausgewählte Familien bedacht, deren Not am größten sei.  

„Die Verwaltung der Stiftung“, so Gabriele Willscheid, „haben wir gern übernommen. Denn die FamiKi ist eine großartige Ergänzung unserer Bürgerstiftung.“ Während letztere dem Allgemeinwohl verpflichtet sei und Projekte von Lohmarer Vereinen und gemeinnützigen Institutionen fördere, könne die FamiKi ganz konkrete Hilfen im Einzelfall leisten. „Und“, meint die Geschäftsführerin, „was gibt es Schöneres, als Menschen glücklich zu machen. Das ist der schönste Lohn für die viele Arbeit.“

So gesehen wurde die Geschäftsführerin bei ihrem Besuch der Familie S. reichlich belohnt. Sie sah die strahlenden Augen und erlebte eine wirklich glückliche Familie. „Vielleicht können wir uns dank der Zuwendung endlich einmal einen kleinen Erholungsurlaub leisten“, meint die Mutter, während Philipp von einem Fahrrad träumt. Freilich ist das Geld zweckgebunden, doch sind die Bedingungen so weit gefasst, dass sich die Familie viele Wünsche erfüllen kann. Auf jeden Fall wird die Finanzspritze ihren Lebensmut stärken, und den braucht auch der große Bruder. Während Ben erst im nächsten Jahr eingeschult wird, wechselte Philipp mit dem neuen Schuljahr auf das Lohmarer Gymnasium. Er hat ehrgeizige Pläne und träumt davon, Architekt zu werden. Er könne ja schon mal auf das Studienstipendium derBürgerStiftungLohmar hinarbeiten, empfahl ihm Gabriele Willscheid. „Ich werde fleißig lernen“, versicherte Philipp.

Groß war auch die Freude bei Heike H. und ihren beiden Kindern. „Ich habe auch mal Glück im Leben. Das ist schön“, strahlte sie und war schier erstaunt über die hohe Summe: „Das hätte ich nicht gedacht!“ Dass die kleine Familie das Geld sicher gut gebrauchen kann, ist keine Frage. Die 49-jährige Mutter ist selbst auf die Hilfe einer Betreuerin angewiesen und kümmert sich doch zugleich mit sehr viel Liebe, um ihre beiden behinderten Söhne. Der 10 Jahre alte Ben leidet unter Autismus und Epilepsie, der 20-jährige Björn unter dem Tourette-Syndrom. Zwar lebt er mittlerweile in einer betreuten Wohngruppe und macht sogar eine Ausbildung zum Beikoch, doch wer sich ein bisschen auskennt, weiß wie viel Kraft die Mutter braucht, um mit diesen schweren Handycups ihrer Kinder umzugehen. Und ihre Sorge gilt offensichtlich immer zuerst ihren Söhnen. Als sie Gabriele Willscheid fragte, was sie denn mit dem Geld der Stiftung machen wolle, antwortete Heike H. ganz spontan: „Ich hoffe, ich kann mir jetzt endlich eine Delphin-Therapie für meinen Ben leisten.“

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v.l.n.r.: Michaela S. mit ihren Söhnen Philipp und Ben und Gabriele Willscheid,BürgerStiftungLohmar

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